Montag, 30. Dezember 2013

Ich hab versagt

Haben Sie sich schon gewundert, dass in letzter Zeit wenig von Mr. Little die Rede war? Da liegen sie richtig. Denn Herr Hausmann hat ein schlechtes Gewissen. Dieses hat aber im neuen Jahr nix verloren. Was nun folgt ist das Eingeständnis vom Versagen erster Güte auf den letzen Endjahresdrücker. Quasi der hausmännische Supergau. Also dann:

Was habe ich an dieser Stelle schon mit der Vielfalt des kulinarischen Interesses von Mr. Big geprahlt. Salatteller in der Migros mit neidischen Mütterblicken, in Ohnmacht fallende Omis angesichts der Gemüseaffinität meines Erstgeborenen... und natürlich war dies alles Hausmanns Vorbild und weiser, kulinarischer Erziehung zu danken. Pustekuchen!

Denn Mr. Little, dem die selbe Ehre in Sachen Food-Erziehung zu Teil wurde und wird, ist von grüner Kost so sehr begeistert wie ein Kaninchen von gestopfter Entenleber oder ein Tiger von gedämpftem Broccoli. Grünkost ist für Mr. Little ein Feindbild wie Greenpeace für russische Öl-Oligarchen oder Blocher für linksgrüne Körnlipicker. Kurz gesagt: Er hält von Salat & Co. in etwa gleich viel wie vom aufs Töpfchen gehen: Assolutamente nada! Oder wie der Bayer sagt: Goar nix!

Winkt vom Teller ein bunter Farbenmix ausserhalb des Farbspektrums von Tomatensauce und Chickennuggets, fühle ich mich ob dem Geheule gleich wie die Bevölkerung Londons im zweiten Weltkrieg bei Bombenalarm: Ich möchte am liebsten in den Keller flüchten. Insistiert Hausmann bezüglich Vitaminkonsum in Form von Gemüse, reagiert Mr. Little wie ein mexikanischer Drogenbaron auf Polizeieinsätze: mit roher Gewalt. Liebevoll geschnittene Möhrchen enden als Wanddekoration, kunstvoll tournierte Zucchini dienen als Katapultmunition, in Nussbutter geschwenkter Broccoli verzieht sich vor Schreck, geköpft zu werden, in die hinterste Küchenecke.

Während sich Mr. Big das Grünfutter genüsslich in den Mund schiebt, vorzugsweise von Hand, ist es für Mr. Little nicht viel mehr als ungeliebter Sonderabfall, der schleunigst entsorgt gehört. Da der junge Herr die Hartnäckigkeit von Hausmann kennen gelernt hat, wird das Gemüse derart radikal entsorgt, dass an ein Weiterverwenden als Vitaminzuführung nicht mehr gedacht werden kann.

Während bis vor ein paar Wochen der Trick noch funktioniert hat, Gemüse mit beliebter Nahrung wie Spaghetti oder Hörnli zu mixen oder als Sauce getarnt auf die Teller zu bringen, findet neuerdings auch diese Variante ein jähes Ende, wenn Mr. Big's Zunge damit in Berührung kommt. Das Resultat ist ein Gemüsebreiweitspuckwettbewerb olympischen Ausmasses. Die darauffolgende, hausmännische Putzaktion hätte übrigens auch olympisches Edelmetall verdient.

Gemüse in Form eines lustigen Gesichts auf den Teller zu bringen, hat einzig zur Folge gehabt, dass die Zucchiniaugen lustvoll per Gabel ausgestochen und die Salathaare per Löffelhaue frisiert wurden. Einzig Karotten bestehen den strengen Foodcheck von Mr. Little und ab und an ein Stückchen rote Beete.

Ganz schlimm enden Drohungen in der Form von: "Es gibt kein Dessert" oder "Fernsehen kannst du heute vergessen" oder "Schoggi ist für heute gestrichen" bei Verzicht auf Gemüsekonsum. Dann verschränkt der Herr die Arme, setzt den bösen Blick auf, wirft sich im Stuhl nach hinten und befördert die umstrittenen, farbenfrohen Köstlichkeiten per Fusskick quer durch die Küche - inklusive Teller und umstehender Gläser oder Flaschen... olympisches Geputze folgt. Dass dann natürlich gar nix mehr gegessen wird, versteht sich von selber.

Sollten Sie mich also in derber Verzweiflung vor dem Gemüseregal im Supermarkt stehen sehen, hat das nichts mit der auch bevorstehenden Abmagerungskur im Januar zu tun. Vielmehr mutieren Grünkohl, Sellerie und Co zu Kriegern, die mein Jüngster ohne Erbarmen gegen mich ins Feld führt und mich bis in die Träume hinein verfolgen und mir hinterherrufen: "Du hast versagt.......hähähähähäääääää"

Montag, 9. Dezember 2013

Fernsehstrategien

Es gibt Momente im Leben von Hausmann, da schwankt er zwischen Lachanfall und Wutausbruch, weil die lieben Kinderlein allerhand Strategien entwickeln um zu ihrem Ziel zu kommen, die samt und sonders auf vorhergegangenem Fehl- oder auch Nichtfehlverhalten von Hausmann zurückzuführen sind. Im Sinne eines Elternratgeberblogs hier Strategien und Gegenmassnahmen im Bezug auf den Fernsehkonsum.

So 60 Minuten Fernsehen im Vorabendkinderprogramm gibt es für meine Jungs pro Tag, wobei nur Mr. Big diesen Zeitraum voll ausnützt. Trotzdem kommt es ab und zu aus terminlichen oder meist psychohygienischen Gründen von Hausmann zu Fernsehsessions ausserhalb des Normalen. Und das wird zu einem späteren Zeitpunkt gnadenlos in kindgerechte Fernsehzeitverlängerungsstrategien umgemünzt.

Die Krank-Strategie
Der Blick in fiebrige Kinderaugen erweicht Hausmann ab und an das Herz. Wenn dann die Kiddies vor Bettlangeweile schier verzweifeln, greift man halt zur Fernbedienung. Resultat davon ist die Krank-Strategie! Wacht also z.B. Mr. Big morgens auf, kann es sein, dass er auf die Karte "krank" setzt und sagt: "Papa, ich habe so Halsschmerzen", und kuckt dabei derart jämmerlich aus der Wäsche, dass Mann im ersten Augenblick Glauben schenkt.
Gegenmassnahme: Meist nützt das gaaanz langsame Auspacken von Fieberzäpfchen im XXL-Format. Auch hilfreich sind irgendwelche scheusslich bitter schmeckende Sirups. Unglaublich, wie schnell dann die Selbstheilung einsetzt und die Holzeisenbahn plötzlich viel besser ist als Sesamstrasse und Kikaninchen.

Weggeh-Strategie
Es mag vorkommen, dass Hausmann rasch wo hin muss (Mama vom Bahnhof holen oder so). Statt die Kiddies unter Geschrei ein Stockwerk tiefer bei Oma zurückzulassen, wird schon mal TV-Babysitting in Anspruch genommen. Resultat: Mr. Little (2 1/2) macht bei TV-Bedarf die Wohnungstür auf und sagt: "Papa weg!" Um dann schnurstracks die Stromzufuhr hinter dem Fernsehen zu starten. Das Spielchen kann sich durchaus drei- bis viermal wiederholen, bevor Mr. Little zum Schreikrampf wegen kinderschädigendem TV-Entzug ansetzt.
Gegenmassnahme: Hier hilft nur noch Vorgaukeln eines kolossalen Stromausfalls durch Herausdrehen der Hauptsicherung. Denn Mr. Little läuft meist direkt zum Kühlschrank. Und sollte dort Licht brennen, geht das Geheul ungemindert weiter. Zudem: Mr. Little holt dann meist das Samsung Tablet, entsichert dieses mit gekonntem Fingerwisch, drückt auf den Youtube-Button und sagt: "Hier Batterie, jetzt Feuerwehrmann Sam schauen!" Sollte dies der Fall sein hilft nur noch Wohnungsflucht und zweistündige Beschäftigung der Kiddies ausser Haus.

3. Arbeits-Strategie
Wenn der Termindruck all zu hoch ist, wird TV auch eingesetzt, um Hausmann etwas mehr Zeit für seine Zweitbeschäftigung, das Schreiben, zu verschaffen. Es mag dann durchaus vorkommen, dass Mr.Big ein Kundengespräch mit meinem Smartphone imitiert um mich dann darauf aufmerksam zu machen, dass Mr. X ganz schnell "ein paar Worte aus dem Computer" braucht. Er mache dann schon mal den Fernseher an, damit ich meine Ruhe hätte.
Gegenmassnahme: 1. Eine Email zeigen, in der angeblich steht, dass die Arbeit schon erledigt ist oder 2. selber ein Telefongespräch erfinden, aus dem klar hervorgeht, dass ich nix zu tun habe. Nach dem dritten Mal wird dies aber kaum mehr funktionieren. Lösung: Also spielen im Garten!

4. Zuwenig-Spielzeug-Strategie
Immer mal wieder wird Hausmann von Mr. Big vorgeworfen, er könne nicht spielen, weil zuwenig oder unpassendes Spielzeug vorhanden sei. Einziger Ausweg aus dieser Spielmisere: TV glotzen!
Gegenmassnahme: Kiddies räumen das Kinderzimmer auf. Erstens merken sie dann, wie viel Spielzeug wirklich herumliegt und zweitens werden sie sich nach dem dritten Mal in einer Woche hüten, dieses Argument wieder ins Spiel zu bringen.

5. Schlechtwetterstrategie
Mister Big schaut morgens zum Fenster hinaus und befindet: Eine Wolke gleich schlechtes Wetter gleich Fernsehen. Punkt.
Gegenmassnahme: Mr.Big den Blick aus einem anderen Fenster auf den ansonsten wolkenlosen Himmel zeigen, alle Termine absagen und ab in den Wald mit den Jungs...

6. Mama-Strategie
"Papa, bei Mama dürfen wir viel länger TV schauen!" Erstens stimmt dies nicht unbedingt und zweitens muss ja Hausmann nicht weibliche Taktiken zur Kinderruhigstellung anwenden.
Gegenmassnahme: 1. "Papa ist nicht Mama" in ruhiger aber überzeugter Art sagen und 2. am Abend die Mama zur Rede stellen. Zweiteres funktioniert aber nur einmal. Danach macht auch Hausmann den Fernseher an um den innerehelichen Waffenstillstand zu wahren...

Donnerstag, 5. Dezember 2013

Alle Macht den Nikolausias...

Was war das Leben früher einfach. Wir spielten noch Streiche, die mit einer Ohrfeige statt mit Polizeiaufgebot und Anzeige geahndet wurden. Wir teilten untereinander noch Haue aus, ohne dass gleich ein Careteam auftauchte und schulpsychologische Gutachten angefordert wurden. Wir tobten abends noch um die Häuser und massakrierten Fensterscheiben, ohne am nächsten Tag mit Ritalin ruhiggestellt zu werden. Und wir durften früher noch ungestraft Mädchen hauen. Zumindest einmal im Jahr. Am Nikolaustag.

Da zogen wir Jungs, und bitte boys only, am 5. Dezember so richtig um die Häuser. Die Jüngeren mit Bischofsmütze und Kuhglocke, die Sechstklässler, also die Grossen, als Nikolaus, Hauptmann, Esel (zumindest das hat sich nicht verändert!) oder Habersack (Futtersack) verkleidet. Und als Schmutzli. Bereits Wochen im Voraus wurde um die besten Ämtchen gefeilscht. Völlig ungefragt war der Nikolaus, weil der sich benehmen musste. Habersäcke durften schon mal den Gehstock als Knüppel benutzen oder mit dem Bajonett des Grossvaters rumfuchteln. Esel und Eseltreiber durften den Mädchen hinterherlaufen, ohne von der Kanzel herunter als sündig bezeichnet zu werden. Spitzenreiter aber war der Schmutzli, weil der mit seiner Rute ungestraft Mädchen jagen und auch hauen durfte. Tja, die gute alte Zeit.

Dass der eine oder andere dabei Mal übertrieben hat und dass der Tag natürlich auch dazu genutzt wurde, um mit Oberstreberinnen und Verpetzerinnen abzurechnen, darüber breitet sich die Omerta der Nikolausmafia aus. Tatsache ist, dass im Grossen und Ganzen Jungs und Mädchen ihren Spass daran hatten. Denn traf der Schmutzli mal alleine auf ein "Rudel" Mädchen, erging es im schlecht. Erstens wurde ihm die Rute abgenommen und zweitens war er nun das Opfer, das mit breitem Grinsen Kopf voran in den Schnee oder in den Dorfbrunnen geschubst wurde. Dabei war viel weniger die Kälte das Problem als vielmehr die verlorene Würde. Denn Derartiges wurde einem ein Schulleben lang nachgesagt und bei jeder Gelegenheit unter die Nase gerieben. Die Rute konnte ersetzt werden. Gegen vor Nässe triefenden Bart und durch Schneematsch wieder sauber geriebene ehemalige Schuhcremegesichter half aber nichts. Die Schande ward erschaffen! Die Natur der Dinge sorgte dafür, dass Mädchensolidarität sich oft gegen rohe Jungenkraft durchsetzte und weitaus mehr Jungenseelen der Schande anheim fielen als Mädchen blaue Striemen hatten.

Und heute! Da wird es für meine Jungs sehr schwierig, noch echte Jungs zu sein. Vor allem am Nikolaustag. Denn die "Alice Schwarzers" dieser Welt haben auch im streng konservativen Grengiols dafür gesorgt, dass die Gleichberechtigung Einzug hält. Ok, neben Alice sind auch stark rückläufige Geburtenzahlen daran beteiligt! Was soviel heisst, dass seit ein paar Jahren auch Mädchen beim Nikolausläuten mitmachen dürfen. Da wundert's Hausmann doch beträchtlich, weshalb der Zölibat noch überlebt... Nun, wenn die Mädchen im Nikolausumzug mitlaufen, wem sollen denn Mr. Big und Mr. Little künftig noch als Esel, Habersack oder gar Schmutzli hinterherlaufen? Woher sollen sie denn lernen, dass Mädchen nur einzeln und niemals im Rudel anzugehen sind? Und dass dies später auch für grössere, weibliche Wesen gilt?

Trotz derartiger Gedanken brachte ich Mr. Big und Mr. Little heute Morgen, am 5. Dezember dieses Jahres gegen 10 Uhr zum Start des Treichelumzugs. Aaahhhhhh! Der Nikolaus war eine Nikolausia mit Bart! Die Habersäcke waren Hebersackinnen, aus Eseln wurden Stuten, aus dem Hauptmann eine Hauptfrau mit langer, blonder Mähne. Und der Blick ins schwarz gefärbte Gesicht des Schmutzlis zeigte... eine Schmutzla! Doppel-Aaaahhhhhh!! Mr. Little verdrehte etwas die Augen ob der hellen Stimme von Nikolausia. Spätfolgen sind bei ihm nicht auszuschliessen. Muss den Psychologen anrufen... Und Mr. Big nätte sich hinter all den Amazoninnen ganz hinten auch unter lauter Mädchen einordnen sollen. Ebenfalls mit kaum absehbaren Folgen für sein künftiges männliches Selbstverständnis.

Der erste Gedanke war Flucht. Aber dafür war es schon zu spät. Die Schmutzla kam mit elegantem Schritt auf meine Jungs zu, die Rute geschultert und griffbereit. Ich sah schon meine sämtlichen Übeltaten als Schmutzli und Esel über meinen Jungs in Form eines kräftigen Rutenschlages zusammenbrechen und hielt ihnen die Hand, um ihnen zu helfen, den Schmerz ohne Wimpernzucken zu ertragen. Da sagte eine liebliche Stimme, die aus dem geschwärzten Gesicht zu kommen schien: "Das ist aber allerliebst, dass ihr zwei auch kommt!" "Aaaaaaahhhhhhh, Jungs, rette sich wer kann! Die Welt ist verloren..."

Dienstag, 26. November 2013

"Härgottstäärnafüüfinuchemal..!"

Wissen Sie, wie das ist, wenn Ihr Kind Sie morgens am Küchentisch lieb anlächelt und Sie zum glücklichsten Menschen auf Erden macht? Sie Glückliche/r! Denn ich hab schon fast vergessen, wie das ist. Mr. Big hat wohl so etwas wie die Wutphase erreicht. Und diese lebt er voll aus. Ein Frühstücks-Vater-Sohn-Gespräch:

Hausmann: Kommt Jungs, das Frühstück ist bereit.
Unisono: Wir kommen gleich...

Gleich ist meistens 5 bis 99 Minuten und fünf Mal rufen später.

Mr. Big: Mmmh, Schokomilch und Honigbrot...
Hausmann: So wie du es magst, auf einer Hälfte Honig, auf der anderen Marmelade.
Mr. Big: Ich hab dir doch gesagt, dass du das Brötchen nicht halbieren sollst.
...Seit wann ist denn das so?
...Seit gerade eben!
...Und wann hast du mir das mitgeteilt?
...(erster böser Blick) Papaaaa, auch gerade eben. Ich will, dass du mir Marmelade und Honig vorne auf das ganze Brötchen schmierst und ich beisse dann ab.
...Vergiss es!
...Warum?
...Weil ich besseres zu tun habe, als dir 20mal das gleiche Brötchen in kleinen Portionen zu schmieren.
...Was denn?
...Das ist jetzt nicht wichtig. Auf jeden Fall bist du gross genug, um dir das Brot jeweils selber zu schmieren,wenn du es auf diese Weise essen willst.
.,,(enttäuscht) Nein, bin ich nicht!
...Bist du wohl!
...(nervös) Nein, auf keinen Fall!
...Doch, doch, mein lieber Junge.
...(ärgerlich) Ich bin kein lieber Junge.
...Natürlich bist du ein lieber Junge,wenn du willst.
...(zorniger werdend) Will ich aber nicht!
...Aha!
...(wütend) Neiiiiiiiin, nicht Aha sagen. Das ist böse und dann werde ich wütend.

Verschränkt die Arme und sieht mit gaaanz bösem Blick durch mich hindurch. Auf der anderen Seite des Tisches macht Mr. Little genau das Gleiche, lacht aber dabei. Wie lange es wohl dauert, bis er weiss, um was genau es geht? Fünf Minuten später. Mr. Big ist zur Salzsäule erstarrt.

...Schau, ich mach dir Marmelade und Honig auf den Teller. Dann kannst du das Brötchen  mit dem Messer jeweils selber schmieren.
...(Anflug von Reue) Ich will auf deinen Schoss.
...Aber das Brot musst du selber schmieren.
...(Reue ist weg) Neiiiin, ich hab dir schon oft gesagt, dass ich das nicht will.
...Jetzt sei ein lieber Junge. Mr. Little hat sein Brötchen schon gegessen. Der ist viel braver als du.
...Das ist mir scheissegal, ich...
...Was hast du da gesagt? Woher hast du diesen Ausdruck?
...Du sagst das auch, zu Mama!
...(leicht verärgert) Iss jetzt dein Frühstück.
...Wenn du mir das Brötchen nicht schmierst, haue ich alles kaputt.
...Oho?
...Und dich haue ich auch! Du bist nicht mehr mein Freund! Ich hab nur meinen Teddy lieb ... vielleicht noch Mama ... meinen Bruder ... und Oma.
...Und Papa magst du nicht mehr, nur weil ich dir das Brötchen nicht so schmieren will, wie es dir vorschwebt? Du bist ein richtiger Trotzkopf.
...(jetzt richtig wütend schreiend) Ich bin gerne ein Trotzkopf. Das gefällt mir. Im Buch vom Engel und vom Trotzkopf bin ich viel lieber der Trotzkopf. Engel sind blöd. (eine Träne kullert über seine Wange, die Stimme zittert)

Ich breite die Arme aus und versuch, Mr. Big zu mir auf den Schoss zu ziehen. Er will nicht. Ich ziehe fester bis er sich ruckartig vom Sessel löst und an meiner Schulter landet, wo er sogleich seine Zähne reinschlägt und zuerst verhalten aber dann recht kräftig zubeisst. Ich schmeiss ihn zurück auf seinen Sessel... bums.

...(verärgert) Hergottstäärnafüüfinumal! Spinnst du, du kannst mich doch nicht beissen.
...(auch verärgert) Kann ich wohl!
...(verärgerter) Das tut weh und ich hab dir schon oft gesagt, dass du das Gebeisse lassen sollst.
...(auch verärgerter) Tu ich nicht! Ich schmeisse alles runter und werde dann wütend.
...(leicht drohend) Das würde ich eher lassen. Ich meine, du kannst das machen, aber dann landest du im Bett und da bleibst du die nächsten 1000 Jahre und kannst Engel und Trotzkopf ankucken.
...Ich geh nicht ins Bett.
...Dann iss und sei ein lieber Bub.
...Ich bin kein lieber Bub, ich bin ein böser Ritter. Ich hole meinen Drachen und dann... dann... dann siehst du dann schon, was passiert...

Mr. Big stürmt aus der Küche. Peng... das ist die Tür des Kinderzimmers. Klang... da ist ihm wohl eine der Spielkisten im Weg. Wschhhhhh... die Bettgarnitur liegt am Boden. Ding... Kuschelbär fliegt gegen die Fensterscheibe. Ruhe! Ahh, herrlich!

45 Minuten später, kein Drache ist in Sicht und auch nicht Ritter Big. Vielleicht ist er ja vor lauter Ärger eingeschlafen. Vorsichtig gehe ich ins Kinderzimmer. Er schäft!

Während ich den Blog schreibe, höre ich die Türe zum Kinderzimmer, dann trippeltrappel, dann klirr, ping, mampf. Mr. Big ist besiegt. Nicht von Hausmann sondern vom Hunger. Doch ich befürchte, das war nur eine von noch vielen künftigen Runden...

Sonntag, 17. November 2013

Von der Unlust eine Sonne zu sein

Sie kennen das Gefühl, wenn Vaterstolz und Kindervorstellung sich entsprechen? Ich nicht! Denn meine Idee eines glücklichen Kindes entspricht in den wenigsten Fällen denen von Mr. Big. Beispiel gefällig?

Es ist hinreichend bekannt, dass wir in Grengiols wieder mal die Sonne das Dorf runter gerollt haben. Mit einem Spektakel, bei dem das halbe Dorf auf theatralische Art und Weise mitmacht, wird die Sonne im November für sechs sonnenlose Grengjer Winterwochen verabschiedet. Natürlich sind auch die Einmaligste und Hausmann mit von der Partie und bereiten schon den eigenen Nachwuchs auf die kommenden, sonnenrollenden Aufgaben vor.

Erste Aufgabe für Mr. Big: Er soll ein Sonnenzicklein spielen! Szenario: Mr. Big hüllt sich ganz in Gelb und trägt auf dem Kopf eine Art Haube in Sonnenblumenform! "Herzig", nach Ansicht von Hausmann und zugewandten Orten und ich sehe schon Bilder von Sohnemann durch die internationale Medienlandschaft ziehen... Wer jetzt denkt, dass Mr. Big diese Ansicht teilt ist aber sowas von falsch gewickelt. Bereits im Vorfeld hatte er angekündigt, dass sein Interesse eher dem Verkleiden als Ritter oder Pirat, in keinster Weise aber der Darstellung eines Zickleins in Sonnenblumenform gilt. "Papa, wenn ich das anziehe mache ich mich lächerlich und alle lachen mich aus!" Punkt.

Nun, ich gebe nicht so schnell auf und halte die Meinung aufrecht, dass Herr Sohn den kulturellen Wert seiner ihm angedachten Rolle spätestens dann erkennen würde, wenn er der übrigen herzigen Zicklein im Sonnengewande ansichtig werden würde. Pustekuchen!

Denn anscheinend ist Hausmann unter lauter Sohnmüttern der einzige, der seinen Sohn zu diesem kulturellen Verschmelzen von Junge und Sonne verknurren möchte. Alle anderen Söhne glänzen nämlich an diesem Tag mit Abwesenheit und lauter kleine und nicht mehr sooo kleine Mädchen erscheinen in gelbem Gewande plus ebensolcher Haube.

Mr. Big ist auf der Stell entsetzt. Als ich ihm das Gewand überstreifen will, verschränkt er die Arme hinter seinem Rücken und macht immer dann einen Schritt rückwärts, wenn ich einen vorwärts mache... bis er an eine Mauer stösst. Als er merkt, dass ich von meinem Vorhaben der söhnischen Vermummung nicht abzubringen bin und die Mauer als natürliche Begrenzung seines Widerstandes erkenne, stimmt er ein Gezeter und Geheule an, das sonst nur ein Rudel Wölfe zustande bringen kann.

Nun, Hausmann ist geheulresistent! Worauf Mr. Big seine Taktik ändert und auf die Karte Verhandlung setzt: "Papa, ich kann das doch nicht anziehen." "Warum nicht?" "Die anderen sind alles Mädchen und ich bin ein Junge." "Ja, Kleiner, das ist doch gerade das Witzige daran. Die jungen Damen werden dich als einzigen Jungen vergöttern. Sie werden dich mögen, ja sogar anhimmeln!" "Was heisst das?" "Das ist jetzt nicht so wichtig. Zieh endlich das Kleid und die Haube an! Das ist herzig!" "Nein, ich will nicht herzig sein. Ich bin ein Junge und ein Junge ist böse und nicht herzig. Das sind nur die Mädchen!"

Ich erwischte mich kurz beim Gedanken, dass ich mir ab und an ein herziges Kind sprich Mädchen wünschen würde statt zweier Lausbuben... Aber mit Kindern ist es wie mit dem Gehirn: Man muss mit dem Material arbeiten, das vorhanden ist. "Zieh jetzt das Zeug an und hör mit dem Heulen auf!" "Neiiiiiiin! Ich will kein Mädchen sein! Mädchen sind blöd! Und Mädchen stinken!"

Verdammt, ich hab doch gewusst, dass sich der Kindergarten negativ auf die Wahrnehmung von Mr. Big im zwischengeschlechtlichen Bereich auswirken wird. Zu spät! Mr. Big verliert schon fast die Hoffnung und ist kurz vor dem Aufgeben, als er den Zweihänder auspackt: "Papa, warum trägst du einen Hut und einen Umhang?" "Weil ich einen Raporteur spiele!" "Und warum bis du nicht eine Sonnengeiss mit Maske und gelbem Kleid!" "Weil das nur Frauen machen!" Hoppla, die Falle schnappt schon zu... "Siehts du Papa! Und ich mache nur Sachen, die Jungs machen und nicht Mädchen!"

Der langen Rede kurzer Sinn: Hausmann war er- und gab sich geschlagen... und sogar ein wenig stolz. Aber verraten Sie das nicht Mr. Big!